Joachim Brockhoff, Leiter Bauen & Wohnen bei Ihrer PSD Bank Westfalen-Lippe eG, erklärt in einer vierteiligen Serie, wie man teure Fehler beim Vererben und Erben des Eigenheims vermeidet.

Wer seinen Nachlass nicht schon zu Lebzeiten verteilen möchte, sollte testamentarisch dafür sorgen, dass das Erbe in seinem Sinne aufgeteilt wird. Dabei gilt: Ein Testament muss immer handschriftlich unterschrieben werden.

Tatsächlich hat nur jeder vierte Bundesbürger ein Testament oder einen Erbvertrag. „Es ist menschlich verständlich, dass sich nicht jeder gern mit der eigenen Sterblichkeit beschäftigt, vernünftig ist es aus erbrechtlicher Sicht allerdings nicht“, so Brockhoff.

Fehlt ein schriftlicher „letzter Wille“, gilt automatisch die gesetzliche Erbfolge – und dann kann es schnell problematisch werden. Ein einfaches Beispiel: Der letzte Elternteil verstirbt, es gibt drei Kinder, aber nur ein Haus. Ohne Testament bleibt dann oft nur, die Immobilie zu verkaufen und den Erlös zu teilen. Sind die Geschwister nicht ein Herz und eine Seele, sind Streitigkeiten vorprogrammiert, zumal die Erbengemeinschaft nur einstimmig entscheiden kann.

Erbengemeinschaften vermeiden

Brockhoff rät deshalb, Erbengemeinschaften unbedingt zu vermeiden. Und er weist auf eine weitere missliche Besonderheit hin: „Jeder Miterbe, und sei sein Anteil noch so klein, kann die sogenannte Teilungsversteigerung der Immobilie durchsetzen. Ohne entsprechende testamentarische Regelung können die anderen Erben dies praktisch nicht verhindern.“

Probleme kann es natürlich auch mit dem Testament geben. Zum Beispiel wenn ein Vater testamentarisch festlegt, dass sein Sohn Wertpapiere und Barvermögen erben soll, die Tochter die – zum Zeitpunkt der Testament-Erstellung – etwa gleichwertige Eigentumswohnung. Was, wenn das Vermögen beim Todesfall des Erblassers weitgehend aufgebraucht ist, etwa für hohe Pflegekosten? Oder die Wohnung wurde zwischenzeitlich verkauft und der Erblasser verstirbt ohne zuvor das Testaments geändert zu haben.

Hilfe durch einen Fachanwalt

Um solche Fallen und Fehler zu umgehen, rät Brockhoff Wohneigentümern, die Kompetenz eines Fachanwalts für Erbrecht in Anspruch zu nehmen. Sein Fazit: „Wohneigentum eignet sich grundsätzlich hervorragend dazu, die nachfolgende Generation materiell abzusichern. Die Übertragung sollte aber frühzeitig, möglichst gerecht und rechtlich wasserdicht geschehen.“

Wer eine Immobilie hinterlässt oder mit einem Immobilien-Erbe rechnet, sollte  wissen, wie man Streitfälle oder unnötige Abgaben vermeidet. Im letzten Teil dieser Serie fassen wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Vererben von Immobilien noch einmal für Sie zusammen. Der Beitrag erscheint im Frühjahr 2018.

Teil 1: Erbschaftssteuer, Freibeträge und Selbstnutzung
Teil 2: Mit Schenkung Steuern sparen

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