Herr Hantmann, Sie sind Experte im Bereich Photovoltaik. Was muss jemand wissen, der sein Eigenheim mit einer Photovoltaikanlage ausstatten möchte?

Das kommt darauf an. Wenn es um eine Bestandsimmobilie geht, sollte das Dach noch mindestens 30 Jahre halten. Wenn also in wenigen Jahren eine Modernisierung des Daches ansteht, ist es keine gute Idee, jetzt eine Photovoltaik-Anlage installieren zu lassen. Allerdings lässt sich die Dachsanierung gut mit der Installation einer Solar-Anlage verbinden. Denn wenn ich ohnehin „ans Dach“ muss, also ein Gerüst aufbaue etc., dann kann ich im letzten Arbeitsschritt auch eine Photovoltaik-Anlage montieren. Bei Neubauten ist die Sache noch einfacher.

Wer eine Immobilie besitzt, möchte diese natürlich nicht durch einen Haufen Technik auf dem Dach verschandeln. Wie steht es mit der Optik moderner Photovoltaikanlagen?

Bei bestehenden Dächern werden meist konventionelle sog. „Aufdach“-Kollektoren verwendet. Diese werden klassisch auf das Dach montiert. Bei neu geplanten Dächern sind auch sog. „Indach“-Kollektoren möglich. Diese werden wie Dachfenster eingesetzt und ragen kaum über das Dach hinaus. Das finden viele schöner, aber die Kosten sind auch höher. Allerdings spart man sich Ziegel, da die „Indach-Module“ ja ins Dach eingesetzt werden. Das bedeutet natürlich eine teilweise Kostenkompensation. Seit Neuestem sind sogar „Solarziegel“ angekündigt, die aber stecken noch in den Kinderschuhen.

Für wen macht es Sinn, eine Photovoltaikanlage auf das Eigenheim zu bauen?

Eine Photovoltaik-Anlage lohnt sich immer, weil man damit eine Menge Geld sparen kann. Der Strom vom Dach kostet nur halb so viel wie der vom Strommarkt. Wer selbst produziert, kann mit Produktionskosten von 9 bis 12 Cent je kWh rechnen. Als normaler Konsument zahlt man dagegen 25 Cent je kWh. Ökostrom kostet sogar 26 bis 28 Cent. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3.000 bis 4.000 kWh im Jahr im Privathaushalt kommt da schon Einiges zusammen.

Wieviel Strom erzeugt denn eine solche Anlage? Kann ich als Hauseigentümer meinen gesamten Bedarf selbst decken und vielleicht sogar Strom verkaufen?

Die Stromproduktion hängt von der Anlagengröße ab. Im Münsterland bringt eine Dachfläche von sechs Quadratmetern ca. 900 kWh elektrische Energie im Jahr. Man sollte immer mindestens so viel erzeugen wie man selbst verbraucht. Mit Speicher sogar etwa 1,5 Mal so viel. Aufgrund der saisonalen Wetterunterschiede kann man aber selbst mit dem Einsatz von Speichern nicht den kompletten Bedarf decken. Fast alle privaten Produzenten verkaufen im Sommer einen Teil ihres Stroms an den örtlichen Netzbetreiber und beziehen Strom vom Anbieter, wenn der Ertrag vom eigenen Dach nicht ausreicht. Dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist das wirtschaftlich, da der Grünstrom von den Netzbetreibern fast immer abgenommen werden muss.

Solarstrom ist nachhaltig. Schon das ist ein guter Grund für eine Photovoltaik-Anlage. Vielen geht es aber auch darum, langfristig Geld zu sparen. Wie lange dauert es, bis die Kosten sich amortisiert haben?

Klassische Photovoltaik-Anlagen von Privathaushalten amortisieren sich nach 12 bis 15 Jahren. Das ist abhängig von der Dachausrichtung, Dachneigung, Übereinstimmung von Produktion und Verbrauch etc. Früher hat man eher bei Süd-Dächern zur Installation geraten. Heute weiß man, dass Ost-West-Dächer ebenso wirtschaftlich sind, da der Strom zur gleichen Zeit erzeugt wird, wie er gebraucht wird – nämlich morgens und abends. Das begünstigt den natürlichen Eigenverbrauch. Zudem gibt es regionale Unterschiede: Anlagen in Süddeutschland erzeugen 15 bis 20 Prozent mehr Energie als Anlagen in unseren Breiten. Bei der Kalkulation setzt man eine 25-jährige Betriebsdauer an. Die tatsächliche Lebensdauer liegt aber bei 30 bis 40 Jahren. Wenn sich die Anlage amortisiert hat, kann man also noch lange verdienen. Für viele Menschen steht aber der „Autarkiegedanke“ im Vordergrund. Sprich: Sie möchten sich selbst versorgen und möglichst wenig Strom kaufen. Dann wird ein größerer Speicher benötigt. Diese sind heutzutage aber erschwinglich und können leicht kostendeckend betrieben werden.

Wie steht es mit Fördermöglichkeiten? Wird der Bau einer Photovoltaikanlage noch vom Staat subventioniert? Was muss beachtet werden, wenn man solche Förderungen erhalten möchte?

Solaranlagen werden nicht direkt staatlich gefördert. Allerdings hat das EEG eine indirekte Förderung parat: Die Vergütung für eingespeisten Solarstrom ist über 20 Jahre garantiert. Aktuell liegt die Vergütung für den Strom aus Anlagen unter 10 kWp („Kilowatt peak“) bei über 12 Cent je kWh. Wer seinen Solarstrom an den Netzbetreiber verkauft, kann außerdem die gesamten Investitionskosten steuerlich geltend machen. Dafür müssen mindestens 10 Prozent des erzeugten Stroms ins Netz eingespeist werden. Eine direkte staatliche Förderung gibt es für Stromspeicher, die über die KfW finanziert werden. Der Fördersatz ändert sich halbjährlich. Seit Juli 2017 liegt er bei 16 Prozent. Die Förderung über die KfW ist aber an eine Bedingung geknüpft: Es dürfen höchstens 50 Prozent der Anlagenleistung ins Netz eingespeist werden. Bei höherer Leistung muss die Anlage gedrosselt werden. Diese „verlorene“ Energie kann mehr wert sein, als die Höhe der KfW-Förderung. Wer diese Einschränkung nicht hinnehmen möchte, wählt den PSD ImmoFix.

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