Nach dreieinhalb Jahrzehnten wurde Norbert Kerkhoff, Vorstandsmitglied der PSD Bank Westfalen-Lippe eG, jetzt von seinen Kollegen und Mitarbeitern auf besonders herzliche Weise in den Ruhestand verabschiedet. Norbert Kerkhoff verlässt eine Bank, die sich in der aktuellen Krise als wirtschaftlich stabil, regional sehr aktiv und kundennah beweist. Wir haben mit ihm über seine Zeit bei der PSD Bank Westfalen-Lippe eG gesprochen.

Das waren doch einige Stationen bis an die Spitze der Bank, der Sie so lange vorstanden. Dürfen wir die Schritte noch einmal kurz nachzeichnen?

Gerne – es war ja auch eine lange Zeit. Als ich im Frühjahr 1986 bei den damaligen Geschäftsführern Siegfried Schönfelder und Wilhelm Niehues zum Vorstellungsgespräch im Büro saß, ging es um eine vakante Stelle als Baufinanzierungsberater. Der PSpDV (Post-Spar- und Darlehnsverein) wuchs und brauchte Personal. Gerne habe ich schon damals aus den Botschaften vernommen, dass ein berufliches Fortkommen innerhalb der Bank durchaus realistisch war. Und so entschied ich mich nach meinem Studium für den damaligen PSpDV Münster. Am 15. September 1986 war dann mein erster Arbeitstag. Eine kleine, familiäre Bank mit gerade einmal 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf zwei Büroetagen… Ich habe in kurzer Zeit viel lernen müssen, auch im Wechsel morgens für alle Kaffee zu kochen.

Als sich Anfang der Neunzigerjahre mit der Auflösung der Deutschen Bundespost politisch abzeichnete, dass die Post-Spar- und Darlehnsvereine als „Selbsthilfeeinrichtungen des Postpersonals“ keine Zukunft mehr hatten und die „Sparvereine“ sich dem Markt zu öffnen hatten, war klar, dass wir künftig Werbung für unsere Leistungen machen mussten. Eine ganz neue Erfahrung. So absolvierte ich die Ausbildung zum Marketingleiter und habe als solcher dann in einigen Jahren vieles aufgebaut: von regelmäßigen Sprechtagen bei den Post- und Telekomniederlassungen im gesamten Geschäftsgebiet über die Kundenzeitschrift „Geld & Gewinn“ bis hin zum ersten Online-Auftritt.

Weitere Aufgaben und Ausbildungen folgten, abschließend mit dem genossenschaftlichen Bankführungsseminar, der theoretischen Qualifikation für ein Vorstandsamt bei einer Bank. Ich glaube, in den ersten 18 Jahren habe ich in der Bank so ziemlich alles einmal gemacht, außer vielleicht im Rechnungswesen und der Innenrevision. Am 1. Januar 2010 war es dann so weit, ich wurde als Nachfolger von Heinz Kalab Vorstand
der Bank.

Über den langen Zeitraum hinweg gab es kaum ein bankrelevantes Thema, mit dem Sie sich nicht haben auseinandersetzen müssen. Wenn Sie aber fachliche Schwerpunkte benennen, die für Sie besonders relevanten Themen, welche wären das?

Aufsichtsrecht, Revision, Gesetzestexte – das waren immer Themen, mit denen ich mich beschäftigen musste. Freude hingegen bereitete mir, mit Menschen zu reden, Veranstaltungen zu planen und Kunden zu begeistern, denn wir waren damals und sind heute eine ganz besondere Bank. Als Selbsthilfeeinrichtung gegründet, stellen wir bis heute die soziale Verantwortung in den Mittelpunkt unseres Handelns. Unsere Mitglieder und Kunden, aber auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spüren,
schätzen und honorieren das.

Gab es da herausragende Highlights, „Leuchttürme“, „Meilensteine“…?

Die ganze Zeit war eine Sammlung von Highlights. Wenn ich mir überlege, dass bei meinem Einstieg in der Bank gerade die Lochkarten abgeschafft wurden und ich heute eine Überweisung mit meinem Smartphone in weniger als 30 Sekunden selbst mache! Eine Aufzählung aller Highlights würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.

Das verstehen wir. Anders gefragt: Welche Projekte, Initiativen und/oder Themen lagen Ihnen ganz persönlich am Herzen?

Dass unsere Mitglieder und Kunden durch unsere Bank einen spürbaren Vorteil genießen, jedes Mitglied wichtig ist und die gleiche Wertschätzung erfährt. Deswegen war es mir bis heute auch ein Anliegen, die regelmäßigen Treffen der Postsenioren, die unsere Bank mit ihrer oft schon jahrzehntelangen Mitgliedschaft mit aufgebaut haben, zu besuchen und auch als Vorstand immer wieder mit Kunden zu reden.

Darüber hinaus haben wir Initiativen ins Leben gerufen, mit denen wir viel Gutes getan haben. So haben wir über zwölf Jahre mit dem PSD BürgerProjekt jährlich 50.000 Euro an sozial tätige Gruppen verteilt. In den letzten Jahren sind der PSD MusikPreis und der PSD NachwuchsPreis dazugekommen.

Schauen wir auf das Heute. Eine bewegte Zeit momentan, nicht wahr? Wie sehen Sie das: Handelt es sich um eine Krise, die die Welt und somit auch die Finanzwelt nur kurzzeitig verändert oder werden jetzt gänzlich andere, neue Lösungen benötigt?

Das kommt darauf an. Ich spüre schon, dass sich Menschen aktuell andere Fragen stellen, als vielleicht noch vor einem halben Jahr. Gesundheit ist das zentrale Thema und in weiten Teilen herrscht auch eine große Verunsicherung bis hin zu Zukunftsangst. Unsere Bank kann und wird dazu beitragen, dass die Folgen für die Mitglieder und Kunden abgemildert werden, dazu stehen wir.

Wann die Krise vorbei ist und wie es dann weitergeht, ist schwer abzuschätzen. Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass wir uns alle mit neuem Optimismus bald wieder auf die Zukunft freuen werden.

„ Es macht mich schon
stolz und sehr zufrieden,
dass ich in dieser
Bank so lange und so
umfassend mitwirken
und mitgestalten
konnte. Insbesondere
beim Blick auf heute,
auf das Erreichte.“

Norbert Kerkhoff

Was würden Sie sagen: Wo steht die PSD Bank heute, wie sollte sie weitermachen und was bedeutet das für alle Beteiligten?

„Ruhe bewahren“ ist für mich mit Blick auf die Zukunft zu inaktiv. Es braucht Aktivität, das aber gut geerdet und mit ruhiger Hand. Bei „Vollgas geben“ droht ein Tunnelblick und dass Wesentliches und Wichtiges übersehen wird. Die PSD Bank Westfalen-Lippe eG hat in den vergangenen Jahren richtungsweisende, strategische Entscheidungen getroffen. Wir haben unsere Ertragsquellen erweitert und die Bank damit für Jahre finanziell gesichert.

Ich wünsche mir für die Beschäftigten der Bank, dass sie neugierig bleiben und Neues immer wieder als Chance begreifen. Unseren Mitgliedern und Kunden wünsche ich, dass sie uns beim Wort nehmen und uns fordern.

Ihre fachliche Nachfolge ist ja hervorragend geregelt, für Kontinuität ist gesorgt. Trotzdem kurz vor Schluss die Frage: Was geht der PSD Bank Westfalen-Lippe eG verloren, wenn Norbert Kerkhoff aufhört? Und sagen Sie jetzt bitte nicht: „Nichts“.

Die Bank hat ein hervorragendes Image. Über 80 Prozent unserer Mitglieder und Kunden empfehlen uns weiter. Intern habe ich in den vielen Jahren regelmäßig mit meinen Führungskräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesprochen, auch über Alltägliches. Dabei ging es mir immer wieder darum, jeden Einzelnen von ihnen mit seinen eigenen Stärken und seinem Charisma zu fördern, beruflich und in seiner persönlichen Entwicklung. Das, was ich heute wahrnehme und sehe, gibt mir ein gutes Gefühl, ich kann beruhigt gehen.

Last but not least:
Was machen Sie so in Zukunft?

Wo soll ich anfangen? Scherz. Ich war schon immer auch privat sehr engagiert, habe ein paar ehrenamtliche Posten, die ich jetzt intensiver ausfüllen kann.

Musik machen und Musik hören wird sicherlich auch einen breiteren Raum einnehmen, und da sind dann ja auch noch meine Frau, meine drei Töchter und Schwiegersöhne sowie sieben Enkelkinder. Es wird garantiert
nicht langweilig für mich.

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